Wer Wahrnehmung bei Kindern in der Kita fördern will, muss kein Therapieprogramm aufbauen. Viele Gelegenheiten stecken schon im Alltag: auf dem Balancierbalken, auf der Schaukel, beim Tragen eines schweren Korbs oder beim Barfußlaufen über unterschiedliche Böden. Entscheidend ist, dass Fachkräfte wissen, welcher Sinn dabei gerade gefragt ist, und Raum, Material und Spiele bewusst danach auswählen.
Dieser Beitrag erklärt drei Sinne, die für die Bewegung von Kindern grundlegend sind: den Gleichgewichtssinn (vestibuläre Wahrnehmung), die Körperwahrnehmung (Propriozeption) und den Tastsinn (taktile Wahrnehmung). Zu jedem Sinn gibt es Spiele aus einer Fachpublikation der gesetzlichen Unfallversicherung und Hinweise zu passendem Material. Am Ende geht es um die Frage, wann Beobachtungen in der Kita ein Fall für Ärztin, Arzt oder Ergotherapie sind.
Was ist Wahrnehmung bei Kindern?
Reize aufnehmen, verarbeiten und einordnen
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung versteht in der DGUV Information 202-062 „Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung in Kindertageseinrichtungen“ unter Wahrnehmung „das Aufnehmen und Verarbeiten von Reizen über die verschiedenen Sinnessysteme“. Der Grundlagenteil stammt von Renate Zimmer. Danach muss ein Kind lernen, aus einer Fülle von Informationen diejenigen auszuwählen, die für die jeweilige Situation wichtig sind. Die Grundfähigkeit zur Wahrnehmung sei zwar meist von Geburt an vorhanden, müsse aber vor allem in der Kindheit durch beständige Anpassung an Situationen, Dinge und Anforderungen geübt werden.
Nahsinne und Fernsinne
Die DGUV Information unterscheidet Fernsinne, also Sehen und Hören, von den körpernahen Sinnen. Zu diesen Nahsinnen zählt sie die taktile Wahrnehmung (berühren, tasten), die kinästhetische Wahrnehmung (zum Beispiel Bewegungssinn, Raum-Lage-Empfinden und Körperspannung) und die vestibuläre Wahrnehmung (Gleichgewicht). Diese Nahsinne entwickelten sich beim Kind zuerst und gäben Informationen über den eigenen Körper und seine Lage im Raum. Für die Wahrnehmung und Beherrschung des Körpers seien sie von besonderer Bedeutung.
Wer Fachtexte liest, stößt auf unterschiedliche Begriffe für dasselbe: Die DGUV spricht von kinästhetischer Wahrnehmung, Texte aus der Ergotherapie eher von Propriozeption, Tiefensensibilität oder Eigenwahrnehmung. Wir verwenden im Folgenden „Körperwahrnehmung“ und „Propriozeption“.
Was ist vestibuläre Wahrnehmung, einfach erklärt?
Der Gleichgewichtssinn im Innenohr
Vestibuläre Wahrnehmung ist der Gleichgewichtssinn. Das Gleichgewichtsorgan befindet sich laut DGUV Information im knöchernen Labyrinth des Innenohrs. Es reagiert auf Schwerkraft sowie auf Bewegungs- und Lageveränderungen des Körpers im Raum. Über diesen Sinn erfährt das Kind, wie sein Körper im Raum liegt, und entwickelt ein Empfinden für die Schwerkraft. In der Auseinandersetzung damit lerne es, sich aufzurichten und immer komplexere Bewegungsabläufe auszuführen.
Die DGUV unterscheidet statisches Gleichgewicht (etwa im Stand), dynamisches Gleichgewicht (in der Bewegung) und Objektgleichgewicht (wenn ein Gegenstand balanciert wird). Sie weist außerdem darauf hin, dass Kinder die Grenzen ihrer Gleichgewichtsfähigkeit nur kennenlernen, wenn sie auch einmal das Gleichgewicht verlieren dürfen. Fallen, sich Abfangen, Niederspringen und Landen gehörten zur Gleichgewichtsschulung dazu.
Welche Spiele fördern das Gleichgewicht?
Die DGUV Information stellt eigene Bewegungsspiele zur vestibulären Wahrnehmung vor. Viele davon kommen mit wenig Material aus:
- Storch im Nest: Die Kinder stehen auf einem Bein oder auf beiden Fußspitzen, die Arme als Flügel angelegt, zuerst mit offenen, dann mit geschlossenen Augen. Droht das Gleichgewicht verloren zu gehen, helfen Flügelschlagen oder das Öffnen der Augen.
- Seiltanz: Die Kinder balancieren auf Linien am Boden, vorwärts, seitwärts, rückwärts, auf Zehenspitzen oder mit geschlossenen Augen. Als Variante nennt die DGUV das Balancieren auf einem Langtau, das gerade, in Schlangenlinien oder im Kreis liegt.
- Eisschollenspiel: Die Kinder stehen auf Teppichfliesen oder Zeitungen. Die „Eisschollen“ werden immer kleiner, bis die Kinder im Einbeinstand landen müssen.
- Busfahrt: Eine umgedrehte Bank steht auf zwei Rollbrettern und wird von der Fachkraft und einem Kind durch den Raum geschoben. Die Kinder sitzen als Fahrgäste darauf, der Bus fährt Kurven, vorwärts und rückwärts.
- Inselspringen: Viele Teppichfliesen liegen als Inseln im Raum, die Kinder springen von einer zur anderen. Die DGUV empfiehlt mindestens dreimal so viele Fliesen wie Kinder in der Gruppe.
Spiele mit Rollbrettern setzt die DGUV erst ein, wenn die Kinder den Umgang damit gelernt haben, etwa über einen „Rollbrettführerschein“. Wer Gleichgewichtsspiele mit Bewegungsförderung im Team verbinden möchte, findet weitere Anregungen im Beitrag Psychomotorik in der Kita im Alltag umsetzen.
Schaukeln, Drehen, Wippen: Geräte für den Bewegungsraum
Schaukeln, Drehen und Wippen sprechen den Gleichgewichtssinn besonders an. Die Ergotherapeutin Linda Eich weist in ihrem Fachtext Wahrnehmungsentwicklung und Sensorische Integration (KiTa Fachtexte, 2015) aber auch darauf hin, dass manche Kinder solche Reize meiden. Für sie empfiehlt sie unter anderem, dass die Kinder die Geschwindigkeit selbst bestimmen, dass eher sanfte Vor- und Rückbewegungen statt Drehbewegungen angeboten werden und dass beim Schaukeln zum Beispiel die Füße auf dem Boden bleiben dürfen. Gleichgewichtsangebote sind deshalb immer ein Angebot, kein Muss.
Im Online-Shop gibt es die Therapieschaukel mit verstellbaren Seilen: eine Plattform aus lackiertem Birken-Multiplex von etwa 80 × 80 cm mit vier verstellbaren Seilen, die sich an einem, zwei oder vier Punkten aufhängen lässt. Mehr zu diesem Gerät steht im Beitrag HAIDIG® Therapieschaukel: ADHS und Sensorische Integration. Für die Krippe führt der Online-Shop den Spielkreisel Gonge „Mini-Top“, eine gewölbte Kunststoffschale mit etwa 68 cm Durchmesser, in der Kinder sitzen, knien oder liegen; die Altersempfehlung lautet 1 bis 4 Jahre. Die Rasterwippe zum Balancieren HAIDIG® aus Multiplex passt zu Standard-Turnbänken und macht sie zur Wippe. Der Kippwinkel ist vierfach höhenverstellbar, die Wippe ist und laut Shop ab 2 Jahren geeignet, für Kinder unter 3 Jahren nur unter Aufsicht. Die Turnbank gehört nicht zum Lieferumfang. Weitere Geräte stehen in den Kategorien Schaukeln und Schwingen und Balanciergeräte. Preise und Lieferzeiten bitte im Online-Shop prüfen.
Was ist Propriozeption bei Kindern?
Tiefensensibilität: Muskeln, Sehnen und Gelenke melden sich
Propriozeption ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers von innen. Linda Eich fasst darunter alle Sinneseindrücke zusammen, die durch Anspannung und Dehnung, also durch Druck und Zug an Muskeln, Sehnen und Gelenken entstehen. Muskeln und Gelenke meldeten ständig an das Gehirn, wo sich der Körper befindet und wie er sich bewegt, auch im ruhigen Stehen oder Sitzen. Sie unterscheidet einen Stellungssinn, einen Bewegungssinn und einen Kraftsinn, der hilft, den Krafteinsatz abzuschätzen.
Im Alltag fällt dieser Sinn kaum auf, weil er unbewusst arbeitet. Eich nennt Beispiele wie einen Knopf schließen, etwas aus der Tasche holen oder einen Schraubdeckel aufdrehen, ohne hinzusehen. Die DGUV beschreibt die kinästhetische Wahrnehmung als Grundlage für die Kontrolle von Eigenbewegungen, für die Bewegungskoordination und die Orientierung im Raum. Zusammen mit Gleichgewicht und Tastsinn trage sie zum Aufbau des Körperschemas bei.
Übungen und Spiele für die Körperwahrnehmung
Die DGUV Information nennt für die kinästhetische Wahrnehmung unter anderem diese Spiele:
- Kletten: Zwei Kinder „kleben“ ein genanntes Körperteil aneinander, etwa Schulter an Schulter, und bewegen sich so durch den Raum.
- Begrüßungen: Die Kinder laufen durch den Raum, die Fachkraft sagt an, mit welchen Körperteilen sie sich begrüßen.
- Hexenmeister: Ein Kind mit einer Poolnudel als Besen „verhext“ eine Gruppe, die dann alle Bewegungen nachmachen muss.
- Riesig: Die Kinder legen mit Seilen und Material einen Riesen auf den Boden. In einer Variante legen sich zwei Kinder gegenseitig ihre Körperform mit einem Seil nach.
Linda Eich ergänzt Anregungen für den Alltag: Kinder schwere Dinge ziehen oder schieben lassen, etwa einen Wäschekorb oder einen Bollerwagen, sich auf unterschiedlichen Unterlagen fortbewegen lassen, zum Beispiel auf dem Rollbrett, und am Tisch die Füße abstützen, statt sie in der Luft hängen zu lassen. Als Spiele nennt sie gegenseitiges Wegdrücken im Stand oder Sitzen und den Körper mit Sandsäckchen belegen, als Bewegungsarten unter anderem Klettern und Turnen.
Klettern, Ziehen, Rollen: Material für die Körperwahrnehmung
Klettern verbindet Kraft, Körperspannung und Gleichgewicht. Für Einrichtungen mit Sprossenwand gibt es im Online-Shop die Kletterwand zum Einhängen in Sprossenwände: eine 230 × 80 cm große Wand aus Multiplex für handelsübliche Sprossenwände. Kinder unter 3 Jahren klettern daran laut Shop nur unter Aufsicht Erwachsener. Die Motorikrolle HAIDIG® ist eine gepolsterte Multiplexröhre mit festem Planenstoff, laut Shop etwa 115 × 60 cm groß bei 60 cm Außendurchmesser, zum Balancieren, Rollen, Kriechen und Schaukeln. Zum Schaukeln braucht sie eine gesondert erhältliche Aufhängung. Der Shop nennt dafür ausreichenden Fallschutz und Aufsicht als Voraussetzung.
Für die ganze Gruppe eignet sich das Schwungtuch für Gruppenspiele in fünf Größen von 1,75 m bis 7 m. Beim Ziehen, Heben und Schwingen arbeiten alle Kinder gleichzeitig. Die DGUV beschreibt dazu das Spiel „Wellen“ mit Varianten wie „Zudecke“, bei der mehrere Kinder unter dem Tuch liegen, das die anderen über ihnen schwingen. Wer im Bewegungsraum dauerhaft Klettern, Schaukeln und Hangeln ermöglichen möchte, kann sich das HAIDIG® Motorikzentrum ansehen, eine freistehende Raum-in-Raum-Konstruktion aus Leimholz, die sich laut motorikzentrum.de unter anderem mit Kletterwand, Sprossenwand, Schwebetuch und Therapieschaukel erweitern lässt.
Wie lässt sich die taktile Wahrnehmung im Kindergarten fördern?
Der Tastsinn über die Haut
Die taktile Wahrnehmung reagiert nach der DGUV Information auf Informationen, die über die Haut aufgenommen werden: Druck, Berührung, Temperatur und Schmerz. Sie hilft dem Kind, Materialien und Gegenstände nach Gewicht, Feuchtigkeit, Temperatur und Oberfläche zu unterscheiden. Über die Haut lerne das Kind auch, Berührungen zu tolerieren und als angenehm oder unangenehm einzuordnen. Übungen zur taktilen Wahrnehmung sollten laut DGUV vor allem Hände und Füße einbeziehen. Besonders intensiv werde der Tastsinn bei geschlossenen Augen angesprochen.
Linda Eich beschreibt das taktile System als das größte Sinnessystem des Menschen, weil die Berührungsrezeptoren den ganzen Körper bedecken. Es sei, wie die Propriozeption, besonders eng mit dem Gleichgewichtssystem verknüpft. Für die Praxis heißt das: Viele Angebote sprechen mehrere Sinne zugleich an, etwa ein Barfußpfad mit wackeligen Elementen.
Spiele für die taktile Wahrnehmung
- Fühlpost: Die Kinder sitzen im Kreis, halten sich an den Händen und schließen die Augen. Ein Händedruck wird als „Post“ weitergegeben, bis der Empfänger „Angekommen!“ ruft.
- Tastbox: In eine Trommel mit zwei Eingriffen kommt ein Gegenstand, den die Kinder nur mit den Händen erkennen.
- Kratzbürste und Samthandschuh: Gegenstände wie Handfeger, Watte, Stoffreste oder eine Feder wandern mit geschlossenen Augen von Hand zu Hand. Danach erinnern sich die Kinder, was sie gefühlt haben.
- Perlen sammeln: Barfuß und mit geschlossenen Augen suchen die Kinder kleine Gegenstände auf dem Boden. Bei jüngeren Kindern werden die Augen laut DGUV nicht verbunden, sondern nur geschlossen.
- Erlebnisbahn: In einer Gasse aus Seilen liegen unterschiedliche Untergründe wie Matten oder nasse Tücher. Die Kinder gehen barfuß mit geschlossenen Augen hindurch, ein Partnerkind hilft.
Fühlpfade und Tastmaterial
Für Fühlpfade, die sich immer wieder neu legen lassen, führt der Online-Shop den Sensorik-Pfad aus 19 Strukturbodenplatten aus Silikon und Kunststoff. Die Platten greifen wie Puzzleteile ineinander, sind 28 × 28 cm oder 14,3 × 14,3 cm groß, lassen sich mit Wasser reinigen und laut Shop drinnen wie draußen einsetzen. Die Altersempfehlung lautet ab 1 Jahr, der Gebrauch wird unter Aufsicht Erwachsener empfohlen. Die Sensorischen Scheiben im 10er oder 20er Set aus Kunstgummi gibt es in zwei Größen mit 27 cm und 11 cm Durchmesser, jeweils mit unterschiedlichen Oberflächen. Zum Set gehören eine Augenbinde und ein Stoffbeutel, die Altersangabe lautet ab 2 Jahren. Das Titelbild dieses Beitrags zeigt die Scheiben.
Gleichgewicht und Tastsinn verbindet der Balancier- und Sinnespfad aus Holz mit sieben Balancierbrettern (80 × 8 × 2 cm) mit unterschiedlichen Oberflächen und sieben Verbindungsklötzen. Der Shop nennt als Sicherheitshinweis die Nutzung nur unter Aufsicht Erwachsener. Wie Kinder mit den Händen tasten, greifen und gestalten, beschreibt unser Beitrag Feinmotorik in der Kita fördern. Preise und Lieferzeiten bitte im Online-Shop prüfen.
Überblick: Wahrnehmungsspiele für den Kita-Alltag
| Spiel | Sinn | Material/ |
|---|---|---|
| Storch im Nest | Gleichgewicht | Freie Fläche, fast überall |
| Seiltanz | Gleichgewicht | Linie am Boden, Seil |
| Eisschollenspiel | Gleichgewicht | Teppichfliesen oder Zeitungen |
| Kletten | Körperwahrnehmung | Kein Material |
| Riesig | Körperwahrnehmung | Seile, Alltagsmaterial |
| Wellen | Körperwahrnehmung | Schwungtuch, ganze Gruppe |
| Fühlpost | Tastsinn | Kein Material, Sitzkreis |
| Tastbox | Tastsinn | Trommel oder Kiste, Gegenstände |
| Erlebnisbahn | Tastsinn, Gleichgewicht | Seile, Matten, Tücher |
Quelle für alle Spiele: DGUV Information 202-062. Die Zuordnung zu einem Sinn folgt der Gliederung der DGUV, die Spalte „Material/Raum“ ist unsere Zusammenfassung. Bei der Erlebnisbahn ist der zweite Sinn unsere Einschätzung.
Woran erkennen Fachkräfte, dass ein Kind Unterstützung braucht?
Beobachten, nicht diagnostizieren
Kinder unterscheiden sich stark darin, wie sie auf Bewegungs- und Berührungsreize reagieren. Manche suchen sie ständig, andere meiden sie. Linda Eich beschreibt in ihrem Fachtext zum Beispiel Kinder, die Schaukeln und Wippen konsequent vermeiden und Angst vor Höhe haben, oder Kinder, die kaum ruhig sitzen und in der Reihe ständig andere anstoßen. Solche Beobachtungen sind ein Anlass, genauer hinzuschauen und mit den Eltern zu sprechen. Eine Diagnose sind sie nicht.
Davor warnt auch die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin. In ihrem Qualitätspapier zur Wahrnehmung und zentralen Verarbeitung von Sinnesreizen (2017) heißt es, die Diagnose einer sogenannten Wahrnehmungsstörung werde für Kinder „oft simplifizierend und vorschnell verwendet“. Die Verdachtsdiagnose, zum Beispiel geäußert von Erziehern, sei ein häufiger Vorstellungsgrund in der Sozialpädiatrie. Ein Hauptziel der Diagnostik sei es, zu unterscheiden, ob ein Kind wirklich medizinische Therapie braucht oder ob eine pädagogische Förderung ausreicht.
Wann Ärztin, Arzt oder Ergotherapie gefragt sind
Ob ein Kind Ergotherapie braucht, entscheidet nicht die Kita. Ergotherapie gehört zu den Heilmitteln. Laut dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums in seinem Beitrag Physiotherapie und Co. müssen Heilmittel medizinisch notwendig sein und ärztlich verordnet werden, damit die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Um eine Frühförderung einzuleiten, ist danach in der Regel die kinderärztliche Praxis die erste Anlaufstelle.
Für die Kita bedeutet das: Fachkräfte können ihre Beobachtungen sachlich festhalten, im Entwicklungsgespräch mit den Eltern besprechen und anregen, das Thema in der kinderärztlichen Praxis anzusprechen. Die Wahrnehmungsspiele in diesem Beitrag sind pädagogische Angebote für alle Kinder. Sie ersetzen keine ärztliche Abklärung und keine Therapie.
Raum und Sicherheit: Worauf es bei Wahrnehmungsangeboten ankommt
Aufsicht, Einweisung und Hilfestellung
Laut DGUV Information erfordern Angebote der Psychomotorik und der Aufbau von Bewegungslandschaften spezielles Hintergrundwissen. Vor der ersten selbstständigen Nutzung eines Bewegungsraums sollen die Kinder eine Einweisung zu den Geräten und zum Verhalten im Raum erhalten. Bei bewegungsunsicheren Kindern und auf wackeligem Untergrund empfiehlt die DGUV Hilfestellung. Für Schaukeln und Hängegeräte gelten die Montage- und Sicherheitshinweise der Hersteller. Für einige Geräte nennt der Online-Shop ausdrücklich ausreichenden Fallschutz und Aufsicht als Voraussetzung.
Barfuß und mit geschlossenen Augen
Viele Tastspiele funktionieren barfuß und mit geschlossenen oder verbundenen Augen. Die DGUV sieht dafür ein Partnerkind oder eine Fachkraft vor, die führt oder sichert. Bei jüngeren Kindern reicht es, die Augen zu schließen. Kinder, denen eine Augenbinde oder eine bestimmte Berührung unangenehm ist, dürfen ablehnen. Linda Eich betont, dass Überempfindlichkeiten zu jeder Zeit respektiert und ernst genommen werden müssen. Wie sich der Außenbereich für Barfußpfade und Balancierwege nutzen lässt, beschreibt der Beitrag Außengelände im Kindergarten gestalten.
Fazit: Drei Sinne bewusst in den Alltag holen
Gleichgewichtssinn, Körperwahrnehmung und Tastsinn sind die Sinne, über die Kinder ihren eigenen Körper kennenlernen. In der Kita braucht es dafür kein Spezialprogramm, sondern Spiele wie „Storch im Nest“, „Kletten“ oder „Fühlpost“, Gelegenheiten zum Schaukeln, Klettern und Barfußlaufen und eine Fachkraft, die weiß, welcher Sinn gerade gefragt ist. Wer eine Woche lang darauf achtet, jeden der drei Sinne einmal anzusprechen, hat einen guten Anfang gemacht. Fallen dabei einzelne Kinder auf, ist das ein Grund für ein Gespräch mit den Eltern, und die Abklärung gehört in die kinderärztliche Praxis.
Häufig gestellte Fragen zu Wahrnehmung in der Kita
Was ist vestibuläre Wahrnehmung, einfach erklärt?
Vestibuläre Wahrnehmung ist der Gleichgewichtssinn. Das Gleichgewichtsorgan liegt im Innenohr und reagiert auf Schwerkraft sowie auf Bewegungs- und Lageveränderungen des Körpers. So erfährt ein Kind, wie sein Körper im Raum liegt und ob es sich dreht oder schneller wird. So beschreibt es die DGUV Information 202-062.
Was ist Propriozeption bei Kindern?
Propriozeption ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers über Muskeln, Sehnen und Gelenke. Andere Begriffe dafür sind Tiefensensibilität, Eigenwahrnehmung oder kinästhetische Wahrnehmung. Sie meldet Stellung, Bewegung und Krafteinsatz der Körperteile, auch wenn das Kind nicht hinsieht, etwa beim Schließen eines Knopfes.
Welche Spiele fördern das Gleichgewicht?
Die DGUV Information 202-062 nennt unter anderem „Storch im Nest“ (auf einem Bein stehen, erst mit offenen, dann mit geschlossenen Augen), „Seiltanz“ auf Linien am Boden, das „Eisschollenspiel“ mit Teppichfliesen oder Zeitungen und die „Busfahrt“ auf einer Bank mit Rollbrettern. Dazu kommen Schaukeln, Drehen und Wippen unter Aufsicht, wobei Kinder die Geschwindigkeit selbst bestimmen dürfen.
Welche Spiele passen zur taktilen Wahrnehmung im Kindergarten?
Gut passen die „Fühlpost“ im Sitzkreis, eine „Tastbox“ mit Gegenständen zum Ertasten, „Perlen sammeln“ mit nackten Füßen und eine „Erlebnisbahn“ über unterschiedliche Untergründe. Die DGUV empfiehlt, vor allem Hände und Füße einzubeziehen. Mit geschlossenen Augen wird der Tastsinn besonders angesprochen.
Wann ist Ergotherapie sinnvoll?
Ob ein Kind Ergotherapie braucht, entscheidet nicht die Kita, sondern eine Ärztin oder ein Arzt. Ergotherapie ist ein Heilmittel und wird ärztlich verordnet, wenn sie medizinisch notwendig ist. Für eine Frühförderung ist laut gesund.bund.de in der Regel die kinderärztliche Praxis die erste Anlaufstelle. Fachkräfte können ihre Beobachtungen mit den Eltern besprechen.


